Die kreative Zentrale der Lh
Mit viel Liebe zum Detail entstehen in der kunsthandwerklichen Druckerei der Lh einzigartige Karten und Bilder – gestaltet, gedruckt von den Klient:innen selbst.
Betritt man die Druckerei – eine der Kreativwerkstätten, fällt rechter Hand ein riesiges Gestell auf, in dem sich Kartons mit bunten Grusskarten bis unter die Decke stapeln. Auf jedem der Kartons prangt vorne das Kartensujet – eines schöner als das andere. Passend zur Jahreszeit dominieren Sterne, Kerzen, Schneemänner, Winterlandschaften. Vom obersten Tablar herab verfolgt ein verschmitztes rosafarbenes Säuli von seiner Karte aus das Geschehen in der «Drucki», wie die Druckerei auch genannt wird. Am Gestell angelehnt steht ein bereits in Luftpolsterfolie verpacktes hochkantiges Bild in Orange-Pink-Grün, bereit zur Abholung. Bald wird es irgendwo eine weisse Wand verschönern.
In der kunsthandwerklich ausgerichteten Druckerei der Lh entstehen Bilder in jeder Grösse und Karten für jeden Anlass. Die Klient:innen entwerfen die Kartensujets, drucken sie im Sieb- und Buchdruckverfahren von Hand, Farbe um Farbe, und rüsten sie verkaufsfertig aus. Die Grusskarten sind sehr beliebt bei Privat- und Geschäftskunden, die Drucki übernimmt aber auch Sonderanfertigungen mit Auflagen bis zu 3’000 Stück für kleinere und grössere Unternehmen.
Hier werden Berufsidentitäten vermittelt
Barbara Gwerder, ausgebildet an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Luzern sowie an der Hochschule für Künste Berlin, ist eine preisgekrönte Schweizer Künstlerin. Sie hat zudem eine Ausbildung zur Mal- und Kunsttherapeutin in der Tasche und begleitet die Klient:innen der Drucki seit rund 25 Jahren. Immer wieder ist sie beeindruckt von der enormen Kreativität, die sie in der Lh antrifft. In der Drucki, betont sie, werde nicht einfach gearbeitet – es würden vielmehr Berufsidentitäten vermittelt. Hier können die Menschen Drucker:in, Illustrator:in oder Maler:in werden.
«Die Drucki ist die kreative Zentrale der Lh. Als Künstlerin empfinde ich das Arbeiten mit den Klient:innen auf Augenhöhe, wir inspirieren einander gegenseitig, wir brauchen einander und profitieren voneinander.»
Barbara Gwerder, Mitarbeiterin Kreativwerkstatt
Drucken, falzen, rillen, zählen, einpacken
Bis eine Karte im Siebdruck fertig ist, braucht es rund 30 Arbeitsschritte. Bei derart vielen unterschiedlichen Arbeitsvorgängen gibt es unzählige Möglichkeiten für die Klient:innen, ihre Fähigkeiten einzusetzen und sich neue anzueignen. So kann jemand lernen, Karten zu drucken, zu falzen, zu rillen, zu kontrollieren, zu zählen und einzupacken. Alle zusammen sind beteiligt, wenn es darum geht, die Karten zu entwerfen und zu gestalten. «Einmal hatten wir eine Klientin, die Margrit, die nur eine bestimmte Bewegung machen konnte. Sie war eine stille, zurückgezogene Person, ein richtiges Mauerblümchen. Ich habe mit ihr geübt, Kreise zu malen, Farben zu holen und wieder zu versorgen. Mit der Zeit konnte sie prima einen Kreis malen, dann konnte sie Kreise aneinanderhängen, bis schliesslich ein Margritli entstand. Sie wurde mit den Margritli richtig berühmt, die Leute sind wegen ihr und ihren Bildern extra hierhergekommen. Wie so etwas das Selbstwertgefühl stärkt!»
Die Bedürfnisse jedes Einzelnen zählen
Wenn jemand neu zum Team in der Drucki stösst, geht es erst einmal darum, dass der oder die Neue sich wohlfühlt. Dafür ist ein ergonomischer Arbeitsplatz nötig, der dem persönlichen Bedarf angepasst ist. Braucht es eine reizarme Umgebung, soll der Blick ins Freie gehen oder vielleicht zu einer vertrauten Person? Lieber in der Gruppe arbeiten oder für sich alleine? Dann geht es darum, abzuklären, was die Klient:innen gerne tun, welche Stärken und Ressourcen sie mitbringen. «Wir versuchen, die Bedürfnisse jedes Einzelnen einzuschätzen und über die Arbeit immer auch das Selbstvertrauen und die Freude zu stärken. Bilder zu malen, ist grundsätzlich sehr praktisch. Die meisten haben damit schon Erfahrungen gemacht; alle können sofort mitwirken. Es gibt aber auch Arbeiten, etwa das Siebdrucken, das wir zusammen über Jahre hinweg erlernen und aufbauen.» Das Wichtigste aber sei, dass die begleiteten Personen sich in der Gruppe wohlfühlten und mit ihren Qualitäten am richtigen Ort seien.
Interview mit Astrid Gyr
Astrid Gyr gehört seit rund einem Jahr zur elfköpfigen Gruppe, die in der Drucki arbeitet. «Astrid hat sich schnell eingelebt, weil sie mega gern und gut malt und gestaltet», sagt Barbara Gwerder. Und was hat Astrid zu erzählen?
Astrid, was hast du in der Drucki als Erstes gemacht?
Ich habe Verschiedenes gelernt: Pinsel auswaschen, Kübeli auswaschen, Pinsel wieder versorgen. Laura, Barbara und Annalisa haben mir genau gezeigt, wie ich was machen soll, und dann habe ich das genauso gemacht, wie sie das wollen.
Was war dein erstes Bild?
Ein Büsi, das ausgesehen hat wie ein rosarotes Säuli. Zuerst war es ein Büsi, und als ich es fertig ausgemalt hatte, war es plötzlich ein Säuli.
Wieso wolltest du in die Lh kommen?
Ich habe schon immer gerne Mandala ausgemalt, aber ich wollte etwas anderes. In die Lh wollte ich, weil ich eine Künstlerin bin, ich bin künstlerisch begabt. Hier kann ich mich selber entfalten, ganz anders als beim Mandala-Ausmalen.
Was gefällt dir an der Arbeit hier in der Drucki?
Ich mache alles gerne in der Drucki. Besonders gefällt mir der gute Humor, das Zusammensein mit den anderen in der Gruppe – wir haben es lustig und sind glücklich. Die Gruppe ist immer dieselbe, einfach von der Beeinträchtigung her sind nicht alle gleich.
Kannst du etwas besonders gut?
Blockflöte spielen, aber das mache ich zu Hause. Ich möchte mehr Impulse geben, mehr Ausstrahlung hineingeben. Für ein gutes Klima sorgen. Ich kann besonders gut Bilder gestalten. Das ist meine Stärke, entwerfen und gestalten. Ich kann die anderen auch beraten bei den Farben: zum Beispiel Gelb und Blau, das gibt Grün.
Gibt es etwas, das dir nicht so gefällt?
Ich mag nicht gerne Streit. Oder «Tüpflischiisser». Wenn etwas nicht stimmt, gehe ich zu den Leiterinnen und dann gehen wir zu der Person, die das betrifft, und suchen zusammen eine Lösung.
Wenn du nicht in der Drucki bist, vermisst du sie dann?
Im Herz nehme ich sie mit nach Hause am Wochenende und freue mich, am Montag wieder hier zu arbeiten und zu malen. Und meine Freunde aus der Gruppe wiederzusehen. Ich habe liebe Leute gefunden in diesem Jahr, die ich sehr gerne habe.