Die Praktische Ausbildung als Türöffner
In der Lh arbeiten 463 Menschen mit und ohne Begleitbedarf in ganz unterschiedlichen Berufen. Wir bieten aber nicht nur Arbeitsplätze, sondern bilden auch aus. Derzeit arbeiten 31 Lernende hier, davon absolvieren 17 eine Berufslehre mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis EFZ, 2 ein eidgenössisches Berufsattest EBA und 12 eine Praktische Ausbildung (PrA).
In der Lh arbeiten 463 Menschen mit und ohne Begleitbedarf in ganz unterschiedlichen Berufen. Wir bieten aber nicht nur Arbeitsplätze, sondern bilden auch aus. Derzeit arbeiten 31 Lernende hier, davon absolvieren 17 eine Berufslehre mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis EFZ, 2 ein eidgenössisches Berufsattest EBA und 12 eine Praktische Ausbildung (PrA).
In vielen Branchen sind die Anforderungen einer EBA-Ausbildung zu hoch, um Menschen mit Lernschwierigkeiten die Eingliederung in die Arbeitswelt und die Fortsetzung ihrer Ausbildung zu ermöglichen – besonders auch wegen der schulischen Fächer. Laut Bundesamt für Statistik haben fast 10 Prozent der jungen Erwachsenen am Ende der obligatorischen Schulzeit keine Übergangslösung. Hier kann die Praktische Ausbildung die Tür zu einem auf allen Ebenen integrativen Arbeitsmarkt aufstossen. Sie stützt damit die Chancengleichheit, wie sie das Übereinkommen der UNO über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-BRK) sowie die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung fordern.
Die sechs Ausbildungsbereiche in der Lh
Die Lh bietet eine ganze Palette von PrA an: Hauswirtschaft, Küche, Montage und Verpackung, Gärtnerei, Schreinerei, Betriebsunterhalt. Laut INSOS, dem Branchenverband der Dienstleister für Menschen mit Behinderung, ist die Hauswirtschaft der beliebteste Arbeitsbereich für eine Praktische Ausbildung. Aktuell sind vier Lernende in der Hauswirtschaft tätig: Eine Person ist in Ausbildung zum EFZ ohne IV, eine zum EFZ mit IV und zwei durchlaufen eine PrA. Seit dem Sommer 2024 ist Lea Rudolf eine von diesen zweien.
Hauswirtschaft ist ein facettenreiches Berufsfeld
In der Hauswirtschaft der Lh lernen die Auszubildenden in den Bereichen Reinigung, Speisesaal/Service, Küche und Wäscherei. Bei einem Betrieb dieser Grösse gibt es immer viel zu tun. «Auf dem Arbeitsplan steht die Reinigung der Heuwiese und der Wohnhäuser Schoren, Unterdorf, Breiti 1–5, Holeweg und Tunau. Die Wäscherei verarbeitet knapp 60 Tonnen Wäsche pro Jahr. Die Küche versorgt den Speisesaal in der Heuwiese und übernimmt auch Caterings mit Service», erzählt Alina Clavadetscher, die Begleitperson von Lea. Sie hat selbst in der Lh ihre Lehre Hauswirtschaft EFZ gemacht und ist dann nach einigen Lehr- und Wanderjahren (inkl. Fachausweis Bereichsleiterin Hotellerie-Hauswirtschaft) wieder zurück in die Lh gekommen, wo sie nun als Gruppenleiterin Hauswirtschaft arbeitet. Sie setzt sich mit Elan für ihren Beruf ein und begleitet Lea mit Herzblut durch ihre Praktische Ausbildung.
Interview mit Lea Rudolf
Lea, wieso möchtest du deine Praktische Ausbildung in der Hauswirtschaft absolvieren?
Es macht mir einfach Freude, anderen Leuten zu helfen, dass sie es schön haben. Reinigen beruhigt mich, ich kann für mich sein und mein Ding machen.
Und wieso in der Lh?
Ich kannte die Lh vorher nicht. Mein Coach, der für mich geschaut hat, hat mich darauf hingewiesen. Im April 2024 habe ich mich hier vorgestellt und dann konnte ich zwei Wochen schnuppern. Es hat mir mega gut gefallen, das Team ist mega lieb. Ich habe im Speisesaal, in der Wäscherei und der Reinigung geschnuppert. Die Reinigung und der Speisesaal haben mir am besten gefallen.
Kannst du etwas besonders gut?
In der Nasszellenreinigung bin ich sehr stark. Als ich hier angefangen habe, konnte ich noch nicht so selbstständig arbeiten, aber das kann ich jetzt gut und ich bin auch sicherer geworden.
Gibt es etwas, das dir nicht so gefällt?
(kichert) Die Wäscherei! Ich stehe halt nicht gerne den ganzen Tag. Da muss man Wäsche waschen, sortieren, aufhängen, zusammenlegen und mangeln. Die Arbeit ist streng, es ist heiss.
Wie findest du die Berufsschule? Gehst du gerne dorthin?
Am Donnerstag gehe ich in die Berufsschule Scala in Aarau, das gefällt mir mega, ich habe dort viele Kolleginnen; ich bin sehr gut in der Schule – ich bin sogar Klassenbeste!
Welche Fächer habt ihr?
Fachkunde, Allgemeinbildung, Deutsch, Mathematik und Bewegung. Wir haben zwar keine Turnhalle, aber wir gehen immer 50 Minuten laufen mit der Klasse.
Habt ihr auch Hausaufgaben?
Am Anfang hatten wir gar keine Hausaufgaben, jetzt geht es so. Ich habe einen Jobcoach, Viviane von der Learco AG. Sie kommt alle zwei Wochen in die Lh und fragt, wie es mir geht. Ich kann mit ihr über die Schule reden, mit ihr Hausaufgaben machen und lernen. Ich muss auch Lerndokus erstellen. Wenn ich die Nasszellen reinige, mache ich Fotos von allen Schritten, dann drucke ich sie aus und klebe sie auf ein Blatt. Bei jedem Foto schreibe ich dazu, was ich da gemacht habe. Am Schluss gibt das eine Lerndoku.
Wieso machst du das?
Wir machen das für die Abschlussprüfung. Die Lerndoku kann ich dabei haben, und wenn ich es nicht weiss, kann ich dort nachschauen.
Was gefällt dir besonders an der Ausbildung in der Lh?
Ich kann immer fragen, wenn ich etwas nicht weiss, und sie erklären es mir. Ich kann auch sagen, wenn ich etwas Neues lernen möchte. Zum Beispiel der Sonntagsbrunch: Ich habe Alina gesagt, ich möchte auch lernen, wie man einen Tisch schön deckt. Sie hat mit mir geübt, wie das geht. Ich habe dann einen Tisch für über 30 Leute ganz allein gedeckt!
Was ist wichtig bei dieser Arbeit?
Man muss sich konzentrieren! Mir gefällt es, wenn es schön ist zum Anschauen. Wenn ich etwas schön gereinigt oder angeordnet habe und es sieht toll aus, dann macht mich das stolz!