Vom Wohnen und vom Daheimsein
Wo, wie und mit wem wir wohnen, sind zentrale Aspekte unseres Lebens. Ein gutes Daheim trägt viel zur Lebensqualität und zu einem selbstbestimmten Leben bei. Neben der Arbeit steht daher auch das Wohnen im Zentrum des Angebots der Lh. Wir bieten insgesamt 110 Wohnplätze für Menschen mit ganz unterschiedlichen Ansprüchen, sowohl was die Wohnform als auch was die Begleitintensität betrifft.
Die Wohnformen in der Lh sind vielfältig: vom intensiv begleiteten Wohnen über das Wohnen im Alter und das Wohnen in einer Aussenwohngruppe bis hin zum neu konzipierten ambulanten Wohnen. Den meisten Wohnformen ist eines gemeinsam: Es leben Individuen mit den verschiedensten Ansprüchen in einer Gruppe zusammen.
Wer einmal in einer WG gewohnt hat, weiss, welche Herausforderungen das mit sich bringen kann. Wie in jeder anderen WG müssen Regeln für das Zusammenleben erarbeitet werden – Regeln, die für alle stimmen und an die sich alle halten. Die Brennpunkte sind dabei immer das Badezimmer, das Essen, das TV-Programm, die Haushaltsämtli. Die Herausforderung für das Begleitpersonal besteht darin, zu begleiten und zu moderieren, nicht einfach zu bestimmen. Die Regeln in der Wohngruppe werden gemeinsam erstellt, schriftlich festgehalten sowie visualisiert und immer wieder überprüft. An regelmässigen Höcks können Probleme besprochen werden.
Auch sonst verläuft der Alltag in einer Wohngruppe wie in einer WG. Frühstück und Nachtessen werden selbst zubereitet, aber es essen nicht immer alle miteinander. Mittagessen gibt es am Arbeitsplatz. Auch Haushaltsarbeiten müssen erledigt werden, wo nötig gibt es dafür Unterstützung.
Die Wohnform wechseln
Die Bewohner:innen können nicht immer wählen, mit wem sie zusammenwohnen. Die Wohngruppen sind dementsprechend zusammengewürfelte Gemeinschaften. Besteht der Wunsch nach einem Wechsel, versuchen die Begleitteams, diesen zu ermöglichen. Damit ein solches «Wohn-Tetris» gelingt, braucht es viel Umsicht, Planung und Kenntnis des individuellen Bedarfs und der Ressourcen.
Es besteht auch die Möglichkeit, in eine andere Wohnform zu wechseln – zum Beispiel vom begleiteten Wohnen ins selbstständige, ambulante Wohnen. Voraussetzung für einen Wechsel in eine selbstständigere Wohnform ist zunächst einmal der Wunsch, zu wechseln. Wo immer es geht, ermöglicht die Lh die Entwicklung zu mehr Selbstständigkeit. Zur persönlichen Motivation kommen noch andere Bedingungen, die erfüllt sein müssen, etwa der Wohnsitz im Kanton Aargau, eine IV-Rente und die Fähigkeit, nachts allein sein zu können. Im neuen ambulanten Wohnen gibt es keine Begleitung rund um die Uhr, Zuverlässigkeit und ein gutes Mass an Selbstständigkeit sind daher unerlässlich.
Victoria Pena Caicedo hatte schon länger den Wunsch, allein zu wohnen. Fünf Jahre lebte sie im begleiteten Wohnen, zwei davon in einem Studio. Seit September 2025 lebt die sechzigjährige gebürtige Kolumbianerin nun selbstständig in einer Zweizimmerwohnung. Von der Spitex und dem Hauswirtschaftsdienst sowie einer Wohn-Coachin der Lh bekommt sie Unterstützung für die Dinge, die sie nicht selbst erledigen kann.
Victoria, du lebst nun allein in deiner kleinen Wohnung. Wie hast du dich darauf vorbereitet?
Im «Schoren» habe ich mich gut vorbereitet. Zum Beispiel habe ich jedes Wochenende nach und nach alles in Kisten gepackt. Manchmal hatte ich sogar schon etwas eingepackt, das ich noch gebraucht hätte.
Gab es am Anfang etwas, das du schwierig gefunden hast am Alleinwohnen?
Einmal konnte ich die Konfitüre nicht allein öffnen. Die Spitex hat mir dann geholfen.
Nun fülle ich die Konfi jeweils in ein Tupperware um, das ich besser öffnen kann.
Was hat dir in der Wohngruppe gefallen? Was nicht so?
Es hat mir sehr gut gefallen im «Schoren 2», es sind alles sehr liebe Leute. Aber das Essen hat mir nicht so gefallen, es gab immer Schweizer Essen. Immer Spaghetti, nie Reis. Jetzt kann ich kochen, was mir schmeckt. Ich brate mir gerne ein Stück Fleisch, dazu gibt es Reis.
Und was gefällt dir jetzt, wo du selbstständig wohnst – bist du gerne allein?
Ja, ich bin gerne allein, weil ich selbst entscheiden kann, wann ich essen oder was ich kochen möchte. Ich komme von der Arbeit in der Seifenwerkstatt nach Hause, koche mir etwas und dann schaue ich fern, ich habe spanisches Fernsehen.
Wen fragst du um Rat, wenn etwas nicht so gelingt, wie du möchtest?
Meine Begleitperson Daniela kann ich fragen, sie ist meine Coachin. Ich kann sie anrufen und dann hilft sie mir. Einmal konnte ich die Wohnungstür mit dem Schlüssel nicht öffnen. Meine Wohnungsnachbarin hat mir dann auch Hilfe angeboten: Ich solle doch bei ihr klingeln, hat sie gesagt, sie helfe mir dann.
Kannst du die Wohnung selbst so einrichten, wie es dir gefällt?
Ja, ich bin mit Daniela in die Ikea gefahren und konnte alle Möbel selbst aussuchen. Ich habe alles selbst eingerichtet, und es gefällt mir sehr. Mir gefallen Blumen, gerade hatte ich einen schönen Weihnachtsstern, im Sommer stelle ich dann frische Blumen in eine Vase.
Welches ist dein liebster Ort in deiner Wohnung?
Mein Salon, meine Stube. Wenn ich zum Fenster hinausschaue, sehe ich viel Grün, und am Horizont sind die schönen Schweizer Berge.